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Forschungsidee


Das Graduiertenkolleg "Menschenwürde und Menschenrechte" beschäftigt sich mit den historisch-sozialen Entstehungszusammenhängen dieses zentralen Wertkomplexes der Moderne, mit den philosophischen und theologischen Begründungsversuchen und den Herausforderungen, die sich in gegenwärtigen Problemlagen bei der "Anwendung" der Menschenrechte und des Menschenwürde-Postulats stellen. In der Zusammenarbeit von sechs Disziplinen (Philosophie, Theologie, Rechtswissenschaft, Soziologie, Geschichte, Intensivmedizin) soll ein vertieftes Verständnis dieser Fragen anhand einer spezifischen Verschränkung von Fragen der Genesis und der Geltung erreicht werden. Leitend ist dabei die Idee, dass Erfahrungen des Unrechts und speziell der Gewalt eine zentrale Rolle bei Entstehung, Begründung und Anwendung von Menschenrechten spielen.

Im Graduiertenkolleg werden zudem die wichtigsten Argumentationsformen im Kampf um Menschenrechte und Menschenwürde analytisch und hermeneutisch untersucht. Es geht um diejenigen Argumentationsformen, die im Kampf um Menschenrechte am dominantesten sind, die sich historisch durchsetzen konnten und bewährt haben als Kernbegriffe politisch-rechtlicher Legitimation. Geplant ist nicht eigentlich der Entwurf und die Verteidigung der einen, einzigen und besten Begründung von Würde und Rechten des Menschen. Sollten die Untersuchungen zu Genese und parallel laufender Begründung allerdings nicht nur bei den einzelnen Rechten und Leitlinien einen inhaltlichen "overlapping consensus" (Rawls) ergeben, sondern auch Gemeinsamkeiten in Art und Weise der Begründung, so wäre dies ein Indiz für normative Fundamente, ohne die über Menschenwürde und Menschenrechte nicht adäquat gestritten und argumentiert werden kann.

Charakteristisch für das hier konzipierte Graduiertenkolleg ist also der Versuch einer spezifischen Weise der Verknüpfung von historischer Wertanalyse, Begründungsargumenten und Anwendungsreflexion, die sich so in den Narrationen von Menschenwürde und Menschenrechten oder in deren philosophischen Begründungsversuchen nicht findet und dort in der Regel auch gar nicht angestrebt wird. Es geht um eine Verknüpfung von Genesis und Geltung in der Entstehung des Wertekomplexes "Menschenwürde und Menschenrechte" sowie dessen Anwendungsdimensionen. Dabei werden wir auch herausarbeiten, wie neue Anwendungskontexte (z. B. die Diskussion über Tierexperimente mit therapeutischer Zielsetzung für den Menschen) möglicherweise bislang nicht bedachte Entstehungskontexte für ein vertieftes oder verändertes Verständnis von Menschenwürde und Menschenrechten bieten.